Vor- und Nachteile dualer Studiengänge für Unternehmen

Die Einführung dualer Studiengänge hat nicht nur Vorteile für ein Unternehmen. Wie bei jeder Thematik hat auch das duale Studium Vor- und Nachteile. Den größten Vorteil den Unternehmen von dual Studierenden haben, sind sofort einsetzbare Mitarbeiter nach Beenden des Studiums. Die Studierenden wurden in den jeweiligen Unternehmen ausgebildet und können sofort produktiv arbeiten. Vorher müssen die Studierenden allerdings sehr gut vom Unternehmen und von der Hochschule ausgebildet werden. Dies erfordert einen sehr hohen Abstimmungsaufwand für beide Seiten.

Trotz des erhöhten Aufwandes ist das duale Studium ein sehr wirkungsvolles Mittel für den „War for Talents“. Eine frühzeitige Bindung der Talente an ein Unternehmen kann den Betrieben helfen dem zukünftigen Personalmangel entgegenzuwirken. Auch werden dual Studierende gerade in KMUs als Nachfolger für Geschäftsführer und das höhere Management eingesetzt. Diese strategische Ausrichtung der Personalpolitik beinhaltet selbstverständlich auch eine finanzielle Verpflichtung den Studierenden gegenüber. Als Richtung kann hier der aktuelle Höchstsatz des BAföG genommen werden. Dies sind derzeit 735 €, welche über den gesamten Zeitraum des Studiums monatlich gezahlt werden.

Der hohe finanzielle Aufwand wird mit einer sehr geringen Abbruchquote, sehr guten Kontakten in die Wissenschaft sowie einem positiven Unternehmensimage in der Öffentlichkeit belohnt. Die einzelnen Argumente für und gegen das Anbieten von dualen Studienplätzen im Unternehmen:

Vorteile

Da die Studierenden seit mehreren Jahren im Praxisunternehmen tätig sind, sind sie nach Abschluss des Studiums sofort einsetzbare Mitarbeiter. Sie können sofort verantwortungsvolle Aufgaben und auch Führungspositionen übernehmen. Eine langwierige und kostspielige Einarbeitung wie bei ähnlich qualifiziertem Personal entfällt.

Die Studierenden sind durch einen sehr ausführlichen Bewerbungsprozess beim Unternehmen gegangen. Daher sind sie sehr gut über die Bedingungen im Unternehmen informiert. Auch die Unternehmen lernen ihre Mitarbeiter durch den langen Bewerbungsprozess kennen. Dieser Prozess endet in der Regel in einem sehr guten Matching von Studierenden und Unternehmen.

Laut einer Studie unter 280 Unternehmen des BIBB brechen weniger als 7% der dual Studierenden ihr Studium ab. Gründe für den Abbruch waren zum einen eine falsche Berufswahl (64%) oder die zu hohen Studienanforderungen (55%).

 

 

Die Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen begünstigen einen Wissens- und/oder Technologietransfer. So können sich die Unternehmen über die neusten Erkenntnisse in der Wissenschaft informieren. Dies kann in einigen Fällen sogar einen Wettbewerbsvorteil hervorbringen.

Nicht nur im Land Brandenburgwird immer wieder über den "War for Talents" gesprochen. Die jungen Talente suchen nach Möglichkeiten frühzeitig Berufserfahrung zu sammeln und gleichzeitig einen akademischen Abschluss zu erhalten. Auch dies ist eine eindeutige Chance für Unternehmen, durch das duale Studium den (regionalen) Talenten eine sichere berufliche Zukunft zu bieten.

Das Ziel eines dualen Studiums ist die längere Bindung von hochqualifizierten Personal an ein Unternehmen und somit Fachkräftesicherung für die Zukunft.

Duale Studiengänge erfreuen sich immer größerer Beliebtheit bei Abiturientinnen und Abiturienten. Daher kann das Anbieten eines dualen Studienplatzes das Unternehmen für diese Zielgruppe attraktiv machen und so neue qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber ansprechen. 

Durch die frühzeitige Praxisnähe entwickeln dual Studierende schnell eine Bindung zum Praxisunternehmen. Dies zeigte sich auch in der Studie des BIBB - fast 90% der Absolventinnen und Absolventen wurde von ihren Unternehmen übernommen.

Durch die enge Verzahnung von Theorie und Praxis bringen die Studierenden sehr viel theoretisches Wissen mit in die Unternehmen. Dabei kann es durchaus sein, dass Studierende neues Wissen mit in die Betriebe bringen. Die Unternehmen können durch die Nähe zur Wissenschaft up-to-date bleiben.

Im Moment werden im Land Brandenburg weniger duale Sudienplätze angeboten als in anderen Bundesländern. Daher kann das Anbieten eines solchen Studienplatzes zum Verbessern des Unternehmensimage beitragen. Im Sinne des Personalmarketings kann es ein Alleinstellungsmerkmal sein.

Ein duales Studium benötigt kompetente Betreuungspersonen auf Unternehmens- und auf Hochschulseite. Die Person im Unternehmen, die dual Studierende betreut, erhält automatisch Einblick in aktuelle Themen der Wissenschaft.

Nachteile

Eine enge Verzahnung von Praxis und Theorie kann nur durch einen hohen Abstimmungs- und Organisationsaufwand von allen Seiten gewährleistet werden. Hier kann es zu Problemen kommen - was meist die Studierenden als erstes bemerken. Gerade bei der Neueinführung dualer Studiengänge kann es häufiger zu solchen Problemen kommen. 

Dual Studierende erhalten über die gesamte Studiendauer Gehalt von den Praxispartner. Somit gehen die Unternehmen eine finanzielle Verpflichtung gegenüber den Studierenden ein - auch während der Theoriephasen. 

Auch wenn Unternehmen den Hochschulen gern Anregungen für aktuelle Themen in der Wirtschaft geben können, so haben die Unternehmen doch keinen Einfluss auf den Lehrplan. Da die hcoshcule den Titel an die ABsolventinnen und Absolventen verleiht, ist auch nur diese für die inhaltliche Gestaltung der Studiengänge verantwortlich.

DIe große Herausforderung des dualen Studiums ist die enge Verzahnung von Theorie und PRaxis. Um beiden Seiten die Arbeit zu erleichtern ist es sinnvoll eine/n Studien- bzw. Hochschulbeauftragte/n zu ernennen.

Es gibt in der Regel weniger duale Studienplätze als Bewerber. Daher ist es sinnvoll sich rechtzeitig bei den Partnerunternehmen der Hochschulen zu bewerben. Bei den ausbildungsintegrierenden Studiengängen wird teilweise das erste Ausbildungsjahr vor Beginn des Studiums absolviert. Studieninteressierte sollten sich dann sogar zwei Jahre vor Beginn des Studiums bewerben.

Als Praxispartner möchten Sie Studierende, die auch langfristig im Unternehmen bleiben und investieren in die junge Leute während ihres Studiums sehr viel Zeit und Geld.

Daher nehmen Sie Bewerberinnen und Bewerber, in teilweise sehr langen Auswahlprozessen, besonders genau unter die Lupe.

Mit dual Studierenden kann eine Probezeit von bis zu 6 Monaten vereinbart werden. Danach sind sie bis zum Abschluss des Studiums an das Unternehmen vertraglich gebunden. Grundsätzlich kann dann nur noch außerordentlich aus wichtigem Grund gekündigt werden.

Die enge Verzahnug von Theorie und Praxis bedeutet auch sehr viel Arbeit und Stress. Nach der Arbeit müssen vielleicht Hausarbeiten geschrieben oder für die nächste Prüfung gelernt werde. Im Gegensatz zu regulär Studierenden haben dual Studierende im Semestermodell keine langen Semesterferien. In dieser Zeit finden die Präsenzphasen im Unternehmen statt.

 

 

Dual Studierende sind weniger im Unternehmen als Auszubildende. Das liegt an den theoretischen Einheiten, die an der Hochschule verbracht werden müssen. Zusätzlich haben dual Studierende einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von mindestens 24 Tagen. Dieser muss innerhalb der Praxisphasen genommen werden.